Venusfliegenfalle

Die tödlichen Tricks der fleischfressenden Pflanzen


Wenn die Venusfliegenfalle zuschnappt und ihre Beute umschließt, so bedient sie sich dabei eines sehr komplexen Systems. Es gibt fünf verschiedenen Fallentypen bei fleischfressenden Pflanzen. Bei der Venusfliegenfalle handelt es sich um eine sogenannte Klappfalle. Das ist im Übrigen die seltenste Form der Fallentypen bei fleischfressenden Pflanzen, allerdings dank der populären Venusfliegenfalle auch die bekannteste. Neben den Vertretern mit Klappfallen gibt es noch fleischfressende Pflanzen mit Klebefallen, Saugfallen, Fallgrubenfallen und Reusenfallen, bezeichnet nach der Art, wie die Beute erfasst und verdaut wird. Unterschieden wird außerdem noch, ob die fleischfressenden Pflanzen "aktiv" auf Beutejagd geht oder ob sie lediglich "passiv reagieren".

 

 

Das System der Klappfalle

 

Bei Klappfallen, wie sie die Venusfliegenfallen haben, wird das Beutetier durch eine schnelle Schließbewegung zweier Blatthälften gefangen genommen. Die Blatthälften haben kleine Fühlhaare (drei bis neun), die die Bewegungen der Beute registrieren und dann den Schließmechanismus auslösen. In dem Hohlraum, der nach dem Verschluss der Blatthälften entsteht, wird die Beute mittels Sekreten dann verdaut. Danach öffnet sich die Falle wieder und ist für weitere Fänge bereit – zumindest für eine bestimmte Anzahl, denn die ist bei der Venusfliegenfalle begrenzt auf bis zu sieben Mal.

 


Das System der Klebefalle


Fleischfressende Pflanzen mit Klebefallen sondern ein klebriges Sekret aus, von dessen Duft die Beute angelockt und dann gefangen genommen wird. Das Sekret wird entweder von Drüsen auf den Blättern abgesondert oder es tritt an den Spitzen von kleinen Tentakeln aus. Fleischfressende Pflanzen, die mit Klebefallen auf Beutejagd gehen, sind zum Beispiel verschiedene Fettkräuter (Pinguicula), Sonnentau (Drosera), Wanzenpflanzen (Roridula), Regenbogenpflanzen (Byblis), Taublatt (Drosophyllum) und Lianen (Hakenblatt Triphyophyllum). Auch die größte Gattung der fleischfressenden Pflanzen, die Schusspflanzen (Stylidium), gehört dazu.

 

Einige Pflanzen sind besonders aktiv (zum Beispiel Pinguicula und Drosera): Bei ihnen wird die Beute nicht nur vom Sekret festgehalten, sondern sie unterstützen diesen Prozess durch zusätzliche Bewegungen ihrer Blätter. Die Verdauung der Beute geschieht dann bei den meisten Verwendern von Klebefallen durch die Ausschüttung von Enzymen. Einige haben aber auch hier noch einmal eine Besonderheit ausgebildet: Sie holen sich Kommensalen (Wanzen) zur Hilfe, die ihrerseits die Beute vertilgen und ernähren sich dann von deren Ausscheidungen.

 


Das System der Saugfalle


Saugfallen werden von Wasserschläuchen (Utricularia) angewendet. Das Prinzip der Saugfalle funktioniert nur unter Wasser oder unter der Erde, denn es arbeitet mit Hilfe von Unterdruck. Dieser wird von der Pflanze zunächst aufgebaut und dann mit einem Schlag ausgeglichen, sodass die Beute eingesaugt werden kann.



Das System der Fallgrubenfalle


Fleischfressende Pflanzen, die das System einer Fallgrubenfalle anwenden, sind zum Beispiel Sumpfkrüge (Heliamphora), Zwergkrug (Cephalotus), Kannenpflanzen (Nepenthes), Schlauchpflanzen (Sarracenia) und die Kobralilie (Darlingtonia). Die Fallgrube ist hierbei ein Hohlraum, der durch Blätter mit sehr glatter Oberfläche gebildet wird und aus dem die gefangenen Insekten dann nicht mehr entwischen können.

 

 

Das System der Reusenfalle


Die Reusenfallen funktionieren im Prinzip ähnlich wie eine Art Fallgrube, nur sind sie komplexer konstruiert. In den Reusen können sich die Beutetiere (zum Beispiel Einzeller) nur in einer Richtung fortbewegen und gelangen so schließlich zwangsweise im Verdauungstrakt der Pflanze. Die nach der Reusenfalle auch benannte Gattung – Gensilea – hat insgesamt 21 Arten.

 

 

 

Der Fangmechanismus der Venusfliegenfalle

 


Die Wurzeln der Venusfliegenfalle dienen hauptsächlich der Verankerung der Pflanze im Untergrund und zur Wasseraufnahme, allerdings weniger zur Nährstoffversorgung, denn dafür hat die Venusfliegenfalle ein ganz spezielles anderes System entwickelt. Bei Reizung ihrer Fangblätter können diese blitzschnell "zuschnappen" und so Insekten (vor allem Fliegen, Ameisen und Spinnen) fangen. Dieser besondere Fangmechanismus läuft in einer Geschwindigkeit von circa 100 Millisekunden ab und ist damit eine der schnellsten bekannten Bewegungen in der Pflanzenwelt überhaupt.

 

 

Lohnenswerte Beute


Es hat einige Zeit gedauert, bis die genaue Funktionsweise dieses Mechanismus entschlüsselt war, im Jahr 2004 war es dann so weit. Es handelt sich nämlich nicht wie zunächst vermutet, um eine aktive Bewegung, sondern das Zuschnappen der Falle ist das Ergebnis einer "Entspannung". Im offenen Zustand haben die Blatthälften eine konvexe Krümmung, sie sind circa 10 Prozent zusammengezogen, also "angespannt". Wenn ein Insekt mehrmals vor das Blatt kommt, bewirkt das eine plötzliche "Entspannung", eine Entladung der zuvor aufgebauten Energie. Dadurch wird die Form der Krümmung geändert, die nun als konkave Form ihre Beute umschließt. Größere Insekten sind dann zwischen den noch leicht geöffneten Borsten gefangen, kleinere Beutetiere können aber noch entkommen, da die Form nicht völlig bündig schließt. Da das Verdauen der Nahrung die Venusfliegenfalle viel Energie kostet, ist das ganz in ihrem Sinne, dass sie diese Energie nur aufwendet, wenn es sich für sie auch "lohnt". Und nach rund 7-maliger Jagd ist es sogar ganz vorbei und das Fangblatt stirbt ab.



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