Venusfliegenfalle

Eine kleine Kulturgeschichte der Venusfliegenfalle

 


Die Venusfliegenfalle (Dionaea muscipula) kommt in der Natur ursprünglich nur in einem sehr begrenzten Gebiet in den USA vor und ist außerdem auch noch der einzige Vertreter ihrer Art (monotypisch). Dennoch hat sie seit ihrer ersten Erwähnung am 2. April 1759 in einem Brief von Arthur Dobbs (Gouverneur von North Carolina) an den Botaniker Peter Collinson (Mitglied der Royal Society London) einen beispiellosen Siegeszug rund um die Welt angetreten und ist heute sicherlich der bekannteste Vertreter der fleischfressenden Pflanzen überhaupt. 1768 gelang Daniel Solander, einem Kollegen von Peter Collinson, die erste Nachzucht auf europäischem Boden. Die Pflanze wurde zunächst "Dionaea crinita" getauft, ihren heutigen Namen "Dionaea muscipula" erhielt sie aber bereits kurze Zeit später von John Ellis, der sie im 1768 erschienenen "St. James's Chronicle" ausführlich beschrieb. Der Name setzt sich aus Dione (Göttin, Mutter der Venus, daher auch "Venusfliegenfalle") und dem lateinischen Wort für Mausfalle (muscipula, lat. mus = Maus) zusammen, was insgesamt auf die Ähnlichkeit mit einer Vagina anspielt.

 


Dürfen Blumen töten?


In der Wissenschaft wurde einige Zeit zunächst noch darüber debattiert, ob die Pflanze wirklich fleischfressend sein kann. Carl von Linné bezweifelte dies zunächst und verwies mit Vehemenz auf die Bibel. Obwohl er von John Ellis eine ausführliche Beschreibung und Zeichnungen erhielt, die er im Grunde für "korrekt" befand, verwies er auf die Bibelstelle Genesis 1,29f., in der bestimmt wird, dass Pflanzen Menschen und Tieren zur Speise dienen sollen, aber nicht umgekehrt. Somit weist er die Möglichkeit der Existenz von fleischfressenden Pflanzen (Karnivorie) per se als blasphemisch von sich. Mit diesem Dogma bricht in der Folge kein anderer als Charles Darwin. In seinem 1875 veröffentlichten Werk "Insectivorous Plants" beschreibt er auch die Venusfliegenfalle und ihre fleischfressende Nahrungsaufnahme.

 

 

Der gezähmte Fleischfresser


Die Venusfliegenfalle faszinierte die Menschen also seit ihrer Entdeckung und nach diesen "Anfangsschwierigkeiten" wurde sie schnell zu einem begehrten und verbreiteten Objekt. Frühe Liebhaber der fleischfressenden Pflanze sind zum Beispiel der amerikanische Präsident Thomas Jefferson (1743 bis 1826) oder die französische Kaiserin Joséphine (1763 bis 1814). Im Jahre 1800 findet sich eine erste Darstellung der Venusfliegenfalle auf einem Dessertteller der Königlichen Porzellan-Manufaktur Berlin. Im 20. Jahrhundert wird sie dann zum Film- und Musicalstar (Little Shop of Horror, 1960) und einem Teil der Popkultur, die das Motiv zum Beispiel für Comics und Videospiele verwendet oder den Namen in Songtiteln aufgreift (zum Beispiel "Venus Fly Trap" von Too Funk, 1995).



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